Nach dem Totalcrasch seines Computers wollte Roland K. eines schnell und einfach erledigen: Die gägigen Gratis-Programme wie Adobe Acrobat Reader oder Firefox auf seinen neu eingerichteten Rechner herunterladen. "Ich habe bei Google gesucht, Klick auf eines der ersten Ergebnisse. Und zack hatte ich die Software gefunden", berichtete der 49-jährige Leipziger. Dass er auf der Download-Seite seine Daten eingeben musste, störte ihn nicht weiter."Das muss ich ja auch bei manchen anderen Kostenlos-Anbieter", sagt der Unternehmer. Rasch akzeptiert K. noch die Allgemeinen Geschäftsbedingungen - ohne sie zu lesen, wie viele andere Internet-Nutzer auch.
Doch genau damit saß er in der Falle: Mit dem Häkchen hatte er promt ein Abo abgeschlossen, für zwei Jahre, über knapp 100 Euro jährlich, für 12 Monate im Voraus zu zahlen.
Den Preis, den der Seitenbetreiber für Freeware wie OpenOffice, Flash Player & Co. haben wollten, hatte Roland K. glatt übersehen. "Damit rechnet doch keiner". Auf der Startseite war ein Hinweis auf Kostenpflicht auch nicht zu finden. Kurzer Zeit später kam die Rechnung, Roland K. schaute sich die die Webseite genauer an, entdeckte schließlich den Preis am Rand des Eingabeformulars, ärgerte sich und zahlte. Dabei hätte er das nach Meinung zahlreicher Anwälte und Verbraucherschützer nicht müssen.
 

Millionengewinne

Roland K. gehört zur großen Masse der geprellten Internutzer, die seit Jahren dubiosen Abo-Abzockern ins Netzt gehen.
Diese legen als Köder zum Beispiel gekaufte Anzeigen bei Google aus, die nach Eingabe gängiger Suchbegriffe auftauchen. Ob Routenplaner, IQ-Test, Kochrezepte, Namensforschung, E-Card, Gedicht- oder Hausaufgabensammlungen: Abofallen lauern überall.
Sogar Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust wurde "im Internet abgekocht", wie die Bild-Zeitung im Januar vergangenen Jahres meldete. Als sich der Politiker ein Gulaschrezept mallorquinische Art mit Zimt, Pinenkernen und Backpflaumen heruntergeladen hatte, schnappte die Abo-Falle zu. 30 Euro pro Jahr sollte er für ein angebliches Kochrezepte-Abonnement berappen, berichtete die Zeitung Eine Mahnung sollte von Beust zur Zahlung drängen. Er fand Hilfe bei der Hamburger Verbraucherzentrale und überwies kein Geld.
Um möglichst viele Opfer zum Zahlen zu bewegen, wird gemahnt und ein rauer Ton angeschlagen: Harsch wird mit schlimmsten Konsequenzen wie Schufa-Eintrag gedroht. Briefe von Anwälten und Inkassobüros sollen Panikattacken auslösen. Viele zahlen aus Angst, denn die Geldeintreiber nerven oft monatelang.
Die Tricks sind unzählich: Da genügt manchmal ein kleiner Tippfehler bei der Eingabe einer Adresse und schon droht arglosen Surfern Gefahr durch Internet-Abzocker.
So informierten die G Data Security Labs im Juli vergangenen Jahres, dass die Website mcaffe.de unter anderen zu einer Abofalle führe, die diverse Software-Downloads anbietet, unter anderem die Open Source Thunderbird gegen Bares natürlich, mcaffe.de ist eine so genannte Typosquatting-Domain, die sich in ihrer Schreibweise nur gering vom Original des Virenschutz-Anbieters McAfee (mcafee.de) unterscheidet.
 
 
Letztlich heißt es immer: Aufpassen, gerade im Internet. Obwohl eigentlich nur die Wege neu sind, die Abzock-Masche aber alt.
Schon vor 30 Jahren verschickte eine Firma "Mittel gegen Haarausfall". In den Fläschchen war nur pures Wasser. Trotzdem haben 70 Prozent der Besteller gezahlt. Darauf setzen auch die modernen Nepper.
 
Einmal im Monat wird der Negativpreis "Das schwarze Schaf" für unseriöse Anbieter verliehen    www.dasschwarze-schaf.de
 
 
 
 
 
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